braintransfer AG Applied Web Technologies

2. Platz: braintransfer Aktiengesellschaft

Viel Aufwand muss getrieben werden, bis ein Katalog fertig für den Druck ist. Für die Macher heißt es: Produktdaten und Preise aktualisieren, Agenturen, Texter und Grafiker anleiten, Marketing-Leute und Produktmanager im eigenen Unternehmen briefen, Druckfahnen Korrektur lesen, Design mit den Layout-Vorgaben des Corporate Design abgleichen, Druckauftrag erteilen, Produktion überwachen. Ein sehr langwieriges Verfahren, in dem sich leicht Fehler einschleichen. Die Fürther braintransfer AG will dieses Prozedere drastisch verkürzen: Mit einem System, das nach eigenen Angaben erstmals alle Prozesse der Print-Produktion durchgängig unterstützen soll, hat das junge Unternehmen den zweiten Preis beim diesjährigen IHK-Gründerwettbewerb gewonnen.

Die braintransfer AG, die 1998 als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet wurde, ist derzeit hauptsächlich im Projektgeschäft tätig: Die drei Vorstände Jörn-Olaf Kreitz, Michael Singer und Andreas Romandi entwickeln mit zwei festen und einem freien Mitarbeiter Datenbank-Anwendungen, Intranet-Lösungen und Konzepte für das Publishing. Auf diesen Feldern arbeite das Unternehmen seit seinem Start profitabel. „Derzeit sind wir so etwas wie eine Mischung aus Softwarehaus, Agentur und Beratung“, so Andreas Romandi, der zur AG-Gründung 2000 in das Unternehmen eingestiegen ist.

Im Frühjahr 2002 wird dem Businessplan zufolge ein IPS-System in die Pilotphase gehen, das die Produktion von Katalogen und anderen weitgehend strukturierten Druckwerken automatisieren wird. IPS steht für „Integrated Publishing Service“ und umschreibt die Grundidee: Die Kunden stellen Fotos, Graphiken, Texte, Zahlen usw. in eine Datenbank bei der braintransfer AG ein. Auf diesen zentralen Datenpool greifen alle an der Produktion Beteiligten per Internet zu, alle verfügen stets über die aktuellen Daten. Romandi nennt die wichtigsten Vorteile dieses Ansatzes: Die Koordination zwischen Unternehmen, Agenturen, Designern und Druckerei wird wesentlich einfacher, der Kontrollaufwand verringert sich durch die zentrale Datenhaltung beträchtlich. Gegenüber anderen Lösungen am Markt – z.B. Content Management Systemen – bleibt die Agentur immer mit im Boot. IPS soll ganze Seiten automatisch generieren und die Durchlaufzeiten von Wochen auf Stunden reduzieren. So sind auch bei geringen Änderungen Neuauflagen ohne großen Aufwand möglich. Die Kosteneinsparung, die Romandi je nach Art der Publikation auf 20 bis 80 Prozent veranschlagt, ergibt sich auch dadurch, dass braintransfer die IT-Infrastruktur vorhält und deshalb Investitionen und Wartungsaufwendungen bei den Kundenunternehmen entfallen.

braintransfer betreut bereits einen Kunden bei der automatisierten Herstellung seiner Kataloge – allerdings mit dem Unterschied, dass der Zugriff noch nicht per Internet erfolgt. Die Erfahrungen und das Know-how aus dieser Zusammenarbeit und aus dem Projektgeschäft fließen in die Entwicklung des IPS-Produktes ein, die in etwa einem Jahr abgeschlossen sein soll.

Als Zielgruppen für dieses Konzept, das in wenigen Jahren zur Kernkompetenz des Fürther Start-up-Unternehmens werden soll, werden Produkthersteller, Handelshäuser, Versandhandel, Reiseveranstalter und auch Agenturen anvisiert. Die potenziellen Kunden kommen aus allen Branchen, die Publikationen mit
hohem Aktualisierungsbedarf und standardisierbarer Aufmachung benötigen. Dazu zählen neben Katalogen auch Zeitungsbeilagen, Handbücher oder Dokumentationen. Der Markt für die Unterstützung solcher Printprodukte hat den Recherchen von braintransfer zufolge in Deutschland ein potenzielles Volumen von über drei Mrd. DM. Als Anbieter, der Instrumente für die Effizienzsteigerung der Print-Herstellung zur Verfügung stellt, rechnet sich die Gesellschaft beste Chancen aus. Insofern ist nach Aussage von Romandi das Umsatzziel von ca. 4,5 Mio. DM im Jahr 2003 (Geschäftsjahr 2000: 500 000 DM) und ein Wachstum der Belegschaft auf dann über 30 Mitarbeiter realistisch. 2005 soll der Umsatz auf ca. 50 Mio. DM gewachsen sein, denn mit dem System könnten viele Kunden gleichzeitig ohne hohen Personalaufwand bedient werden.

Die Expansion solle aber nicht überstürzt verlaufen. Bisher habe man alle Investitionen aus dem Cash Flow finanziert, für die Entwicklung des IPS-Projektes sei man jedoch auf das Engagement von Risikokapitalgesellschaften angewiesen. Man stehe bereits in Verhandlungen mit möglichen Partnern.

Unterstützung erhalten die drei Gründer, die sich bereits aus der Schulzeit kennen und nach einigen Jahren über erste unternehmerische Tätigkeiten während des Studiums wieder zusammen gefunden haben, von Wolfgang Seidelmann: Der ist bereits seit Jahren ein begehrter Ratgeber von jungen Unternehmen der Region. Als „Business Angel“ hat er das Gründungskonzept mit verfeinert und auch 2,5 Prozent der Anteile der AG übernommen. Dafür dass ihre Richtung stimmt, haben Romandi, Kreitz und Singer neben der IHK-Auszeichnung vor kurzem eine weitere Bestätigung bekommen: Beim diesjährigen Businessplan-Wettbewerb Nordbayern landeten sie in der Spitzengruppe.

www.braintransfer.de