Streetspotr GmbH

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Die Geschäftsführer Dorothea Utzt und Werner Hoier. (Foto: Kurt Fuchs)

Kleine Aufträge für Smartphone-Nutzer vermittelt das Online-Portal der Streetspotr GmbH in Nürnberg. Die Jury prämierte diese Geschäftsidee mit dem IHK-Gründerpreis.

Praktisch im Vorbeigehen können die Nutzer der Applikation „Streetspotr“ bares Geld verdienen. Denn das junge Nürnberger Unternehmen Streetspotr GmbH vermittelt kleine Aufträge, die Smartphone-Nutzer in ihrer unmittelbaren Umgebung erledigen können. Beispielsweise überprüfen sie für Hersteller von Konsumgütern, wie deren Produkte in den Geschäften platziert sind oder ob deren Werbung wie vereinbart angebracht wurde. Für Branchenverzeichnisse kontrollieren die Streetspotr Adressen und erfassen Firmen- oder Ortsdaten. Außerdem testen sie Produkte oder den Service von Unternehmen. „Grundsätzlich sind es kleine Jobs wie ein Foto oder Video machen, eine Situation oder ein Produkt beschreiben, eine Gegend erkunden, eine Verkehrssituation überprüfen oder einen Service bewerten“, erläutert Streetspotr-Geschäftsführerin Dorothea Utzt. Der Firmenname ist Programm: Streetspotr ist eine namensrechtlich geschützte Abwandlung von Streetspotter, was soviel heißt wie Straßendetektiv.

Die Auftraggeber stellen die Mini-Aufträge selbst in das Streetspotr-Portal ein oder erhalten auf Wunsch eine Rundumbetreuung. Den registrierten Nutzern werden diejenigen Spots angezeigt, die in ihrer näheren Umgebung abzuarbeiten sind. Die dafür notwendige Software für die Betriebssysteme iOS und Android steht kostenlos im App-Store und im Play Store zur Verfügung. Im Durchschnitt dauert es etwa drei Minuten, bis ein Job vergeben ist. Bei der Auftragsannahme wird geprüft, ob sich der User wirklich vor Ort befindet, darüberhinaus werden die Handys der Nutzer nicht verfolgt. Alle eingehenden Arbeitsergebnisse werden von Streetspotr überprüft, bevor sie an die Kunden weitergeleitet werden. Daten, die nicht plausibel sind, werden noch einmal kontrolliert oder aussortiert.

Die Vergütung für die Tätigkeiten legen die Auftraggeber fest, in der Regel zahlen sie je nach Aufwand zwischen einem und 30 Euro pro Auftrag. Die fleißigsten Streetspotr verdienen bis zu 1 500 Euro im Jahr, der durchschnittliche Nutzer bekommt rund zehn Euro pro Monat auf sein Paypal-Konto. Neben Geld erhalten die User auch Punkte, die in einem Ranking aufgelistet werden, sowie virtuelle Abzeichen. So kann man einen Experten-Status erreichen, mit dem man sich für höher bezahlte Jobs qualifiziert. „Bei einer Umfrage gaben 60 Prozent unserer Mitglieder an, dass der Spaß und das Ranking für sie wichtiger sind als das Geld“, berichtet Utzt. Rund 250 000 aktive Nutzer hat die Streetspotr GmbH mit ihren 18 Mitarbeitern derzeit vor allem in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Großbritannien und ist damit nach eigener Aussage Europas größte „mobile Workforce“. „Drei Viertel davon sind Männer, überwiegend zwischen 18 und 29, aber auch viele über 60. Doch der Frauenanteil steigt“, berichtet Utzt.

Erfahrung mit Smartphone-Programmen haben die Gründer reichlich: Werner Hoier, Dorothea Utzt und Holger Frank haben vorher bereits gemeinsam Apps entwickelt, beispielsweise einen Kalender für das iPhone oder Spiele. „Insgesamt wurden unsere Programme bisher rund 1,5 Mio. Mal verkauft“, berichtet die Geschäftsführerin. Ein Auftrag von BMW gab schließlich den Ausschlag, im Juni 2011 die Streetspotr GmbH zu gründen: Der Automobilhersteller hatte bei dem jungen Team nach einer App gefragt, mit der Daten von Parkhäusern (z.B. Name, Öffnungszeiten, Preise) für das Navigationssystem erfasst werden können. Es stellte sich bald heraus, dass dieser Dienst auch für andere Firmen interessant sein könnte.

Die Gründung finanzierte das Quartett bisher aus eigenen Mitteln. „Erst jetzt haben wir Kapital über einen Business-Angel und die KfW für unsere Expansion und einen aktiven Vertrieb aufgenommen“, sagt Utzt. Dass es inzwischen auch schon Nachahmer gibt, sieht sie sportlich. Denn in fünf Jahren soll Streetspotr weltweit vertreten sein, außerhalb Europas möglicherweise über ein Franchise-System. Die Aussichten für ihr Geschäftsmodell schätzt Utzt als sehr positiv ein, weil die Lösung Unternehmen und Smartphone-Nutzer optimal zusammenführe. Zudem wüssten die Kunden den Dienst mittlerweile sehr zu schätzen: „Sie haben erkannt, dass Streetspotr ihrem Außendienst schnell und effizient zuarbeiten kann.“ (leo.)

www.streetspotr.de