IHK-Gründerpreis 2026 – FiveD GmbH, Erlangen
Geschäftsführer: Marcel Hoffmann und Michael Stelzig
Alles klar beim Radar: Mit der Software des Erlanger Start-ups lassen sich Radar- und Sensorsysteme in einer virtuellen Umgebung abbilden, testen und optimieren.
Radarsensoren kommen in vielen Anwendungen zum Einsatz – vom autonomen Fahren über Automatisierung und Sicherheitstechnik bis zu Smart-Home-Technik. Die Entwicklung leistungsfähiger Systeme ist aber aufwendig, praktische Tests kosten viel Zeit und Geld. Kritische oder seltene Situationen lassen sich zudem nur schwer realitätsnah darstellen.
Hier kommt die FiveD GmbH in Erlangen ins Spiel: Sie entwickelt Software-Lösungen, mit denen sich Radarsysteme virtuell abbilden, testen und optimieren lassen. Ziel ist es, die reale Welt möglichst vollständig in eine virtuelle Umgebung zu übertragen. Die „Radar Simulation Suite“ ahmt deshalb nicht nur einzelne Komponenten eines Sensors nach, sondern die gesamte Wirkungskette – vom Radar und seinen elektromagnetischen Wellen über die Umgebung bis zur Signalverarbeitung. Auch Störeffekte lassen sich so berücksichtigen.
„Wir bauen digitale Zwillinge des Radars, die eine realitätsnahe Simulation komplexer Umgebungen für Anwendungen von Smart Home bis Raumfahrt ermöglichen“, sagt Christian Schüßler, Mitgründer und Technischer Leiter. Der Name „FiveD“ steht für die fünfte Dimension der Radardaten: Klassischerweise arbeitet Radar mit vier Dimensionen – drei räumlichen Dimensionen plus radiale Geschwindigkeit. Durch die automatische Kennzeichnung der simulierten Daten erschließt FiveD eine zusätzliche, fünfte Dimension für die Entwicklung von Radar-KI.
Mit Marcel Hoffmann, Lars Schwenger und Michael Stelzig, die am gleichen Lehrstuhl bzw. in benachbarten Forschungsbereichen zu Radar arbeiteten, gründete der promovierte Ingenieur im Juli 2024 FiveD als Spin-off aus dem Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik (LHFT) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die Gründer forschten dort im Bereich Radarsimulation – daraus entstand die Idee, die Forschung für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen. Zwei Mitglieder des Gründerteams konzentrieren sich seitdem auf die technische Entwicklung, die beiden anderen auf Business und Marktentwicklung.
Die Verbindung von Radarsimulation und Künstlicher Intelligenz ergab sich aus den Forschungsarbeiten. Zum Einsatz kommen die Daten u. a. bei berührungslosen Sicherheitsscannern, die Radartechnik und KI kombinieren. Bereits 2023 beschäftigte sich das Team mit Körperscannern, die u. a. an Flughäfen zur Personenkontrolle eingesetzt werden. Unterstützung bei der Gründung erhielt FiveD vom Münchner Technologiekonzern Rohde & Schwarz, der seit 2024 mit 24,9 Prozent als einziger Investor beteiligt ist.
Gestartet ist die GmbH mit den vier Gründern, zwei Mitarbeitern und einem Werkstudenten. Heute beschäftigt FiveD insgesamt 30 Mitarbeiter, vor allem Radar-, KI- und Software-Experten. Mittelfristig soll das Team auf etwa 50 bis 60 Beschäftigte wachsen. Anwendungsmöglichkeiten gibt es nicht nur in der Sicherheitstechnik, sondern auch bei Automotive, Industrie, maritime Technologien, Smart Home, Transport und Verteidigung. Die Zahl der Nutzer nimmt konstant zu und der Einsatz in weiteren Marktbereichen wird gerade in gemeinsamen Evaluierungsphasen mit Leitkunden vorbereitet. „Wir sprechen derzeit mit Interessenten in allen Hochtechnologie-Ländern“, so die Gründer.
Autor: Klaus Leonhard





